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Ur- und Frühgeschichte

Erste Siedler im Nildelta            

 (Text Max Ehlers, 12.11.2007)

Geomorphologisch gliedert sich Ägypten in 3 unterschiedliche Großräume, vom Osten nach Westen in die Ostwüste, in das Niltal und in die Westwüste bzw lybische Wüste.
Der höchste Punkt der Ostwüste liegt 2000 Meter über NN. Der jährliche Niederschlag dürfte maximal 10 mm betragen. Beim Niltal handelt es sich um einen tektonischen Graben.
Die Westwüste stellt es sich um ein hyperarides Gebiet (extrem regenarm) dar, welches in weiten Regionen nur 5  mm Niederschlag bietet. An den Küsten bis maximal  150 mm im Jahr. Entlang des unteren Nil registrieren wir in den Niederungen immerhin regional und jahreszeitlich unterschiedlich 100 bis 200 mm im Jahr.
Vor 20.000 war die Landbrücke zwischen Afrika uns Asien erheblich breiter, so dass eine größere Zuwanderung durchaus möglich erscheint. Das Niltal, oder jenes Gebiet welches heute das Niltal darstellt, ist sicherlich schon über 400.00 Jahre lang besiedelt. Nachweise dafür werden immer wieder vereinzelt aufgefunden.
Der Fund eines Feuerstesteinbergwerkes, datiert auf 30.000 vdZ mit einer zugehörigen Bestattung schein die Besiedelung des Niltals im Paläolithikum nachzuweisen Weitere Bergwerke um 25.000 einzuordnen. Aktuelle Funde im Niltal und auf ägyptischem Gebiet sind heute bis zu 25.000 Jahre alt. Fundlücken lassen sich durch geologische Vorgänge erklären. Geländebewegungen, Bodenveränderungen, Verwehungen, Hochwasser und nicht zuletzt der Nilschlamm  sind die Ursache dafür, dass bisher keine älteren Funde in dieser Region vorliegen.
Erste Funde von Steinartefakten (von Menschen bearbeitet)  im Jahre 1869 führten zu der überraschenden Erkenntnis, dass es überhaupt ein Paläolithikum  (Altsteinzeit) in Ägypten gegeben hat. Forschungen um das Jahr 1920 stellten dann fest, dass  nur äußerst wenige Funde zwischen Mesolithikum (mittlere Steinzeit) und Neolithikum (Jungsteinzeit) vorhanden waren. Sehr fundstark war allerdings das mittlere Mesolithikum mit seinen Befunden vertreten. Im Wadi Kubbanya wurden 1976 mesolithische Reib und Mahlsteine in einer Feuerstelle gefunden. Sensationell die dort enthaltenen Fragmente domestizierter Gerste, welche auf Grund einer Holzkohlen – C14 – Datierung mit einem Mindestalter von 18. 000  ermittelt werden konnten. Leider stellte man später fest, dass die Proben verunreinigt waren, so konnte die Datierung leider keinen wissenschaftlichen Bestand haben. Auch nach jüngsten Forschungen leidet das Land unter der lang anhaltenden Wanderung von Feuchtphasen und Verschiebung des Sommerregens nach Norden.
Hyperaride Bedingungen im Niltal hielten etwa bis 13.000 maximal 12.000 an. In dieser Zeit gab es kaum Regen, das Land lebte nur von den Nilablagerungen. In der Folgezeit wechselten sich Aggrationen (Ablagerungen) mit Erosion (Abschwemmungen) ab. Die Periode feuchten Klima hielt bis 6000 vdZ. Bis 3.000 dann die endgültige Austrocknung des Landes.
Die Birbet-Rezession ( Klimaverschlechterung) in den Jahren 11500 bis 10600. Rückgang im Pegelstand des Nil in den Jahren 10.600, 8.860, 7910 und 5600. In diesen Epochen liegen die Lagerplätze nach spärlichen Hinweisen sicherlich auf den reduziert bewachsenen Auenstreifen und sind auf Grund rezenter Nilablagerungen heute kaum zu ermitteln.
Darauf folgende erhöhte Niederschläge haben dann zusätzlich verstärkte Hangerosionen verursacht. Für Ägypten sind die schwindenden Funde dieser zeit nur ein Symptom oder bestenfalls eine Forschungslücke. Denn auch Fundmeldungen sind in Ägypten erst ab 1980 verbindlich. Die Bearbeitung von prähistorischen Funden  ist in Nordafrika qualitativ sehr unterschiedlich, in Ägypten ist sie geradezu mangelhaft. Darum müssen wir leider feststellen, dass Artefaktfunde in Ägypten, sofern sie nicht in jüngster Zeit von europäischen Forschungsteams getätigt wurden, nur einen begrenzten Aussagewert haben.
Menschliche  Skelettreste gibt es in Nubien und Oberägypten. Datierungen finden sich zwischen 15.000 und 6.000, diese Datierungen gelten jedoch als sehr unzuverlässig.
Nach  Fundanalyse wurde festgestellt, dass weitestgehend zwischen 20.000 und 8.000  keinerlei Hinweise auf gravierende oder evolutionäre Veränderungen der Siedlungstätigkeit oder der Lebensweise stattfanden. In den gefundenen Zentren der Steinwerkzeuge lässt sich an der Gruppierung der Abschläge leider nicht mit Sicherheit irgendwelche Arbeitsteilung erkennen. Vorstellbar ist die Wanderung in der stets wechselnden Periode der Nilschwämme vom Juni bis zum Oktober. Beachtenswert ist, dass die Wüste in ihren heißesten Bereichen nicht über das ganze Jahr besiedelt gewesen sei. Hier ist nur Leben innerhalb der Gunstperioden möglich. Vom Maghreb Nordwestafrika kommend registrieren wir ab dem Jahre 11.000 vdZ einen zunehmenden Einfluss in der Bearbeitung der Steinwerkzeuge. Der Verlauf dieser Änderung erscheint jedoch unklar. Sämtliche Küstenbereiche in der Region sind noch unerforscht oder es ist davon auszugehen, dass paläolithische Fund- oder Lagerstellen dem ansteigendem Meeresspiegel zum Opfer fielen.
Andere Wege aus der Wüstenregion erscheinen strittig, denn sämtliche früh datierten Steinartefakte sind deutlich jünger  als nordwestlich geprägte  Funde aus dem Niltal.
Nun wurde schon die Theorie vertreten, dass Nomaden aus der Wüste, an trockene Verhältnisse gewohnt, gerne in das blühende Niltal zogen, doch sind dort keine älteren Fundstellen bekannt.
Als „Industrien“  bezeichnet man in der Archäologie die steinzeitlich ausgegrabenen Fundstellen oder kontrollierter Oberflächensammlung. Dies sind: Kratzer Bohrer, Stichel, Klingen oder Mikrolithen (kleinste Abschläge) Im ägyptischen Wadi Kubbanya findet sich die so genannte Falkhurian-Industrie (Falkhurian.Halfan) eine paläolithische Werkzeugkultur welche in dieser Region von 21.000 bis 18.000 datiert ist. Hierbei handelt es sich um eine altsteinzeitliche Periode die in Europa für den Neandertaler für die Zeit von 100.000 bis 40.000 festgelegt ist. Bei dieser Verarbeitung wird noch keine Lavalliostechnik angewandt, bei der gezielt, geplante und markierte Abschläge vom Steinkern erfolgen.
Im Niltal werden für die Zeit von 20.000 bis 15.000 neun verschiedene Steinzeit-Industrien ausgegraben und unterschieden. 8 weitere Funde in den Wadis westlich des Nil. Germaian, Dabarosan, Idufan, Halfan, Kubbanian, Fakhurian, Sebekian, Silsian und Ballanan. Alles retuschierte Abschläge nach der Lavalliostechnik, nach dem ersten Fundort benannt. Alle diese Begriffe gehen natürlich ineinander über, überlappen sich und werden gelegentlich auch anders bezeichnet. Bei aufgesammelten Pfeilspitzen lassen sich typologische Unterschiede nur schwer feststellen. Irgendwie scheint im Niltal die Fortsetzung der Kulturentwicklung stehen zu bleiben. In der lybischen Wüste notieren wir eine dynamische Entwicklung von der Rückenspitze über Stielspitzen bis hin  zum geschenkelten Dreieckspitze.
Von 12.000 bis 11.00 verzeichnen wir keinen Fund am Nil und im Jahre 10.000 nur eine einzige Fundstelle in Nubien mit c14 Datierung. Die Zeit von 12.000 bis 8.000 ist auch in der Ostwüste nur lückenhaft erfasst oder ungenügend publiziert. Von 15.000 bis 12.00 registrieren wir noch die Industrien des Sebilien und Afian. Die Zeit von 10.000 bis 9.000 ist nahezu fundleer. Von 10.000 bis 9.000 vdZ wird in der Regel als Endpaläolithikum bezeichnet. Manche Forscher bezeichnen es als Epipaläolothikum oder Protoneolithikum. Gemeint ist stets das Gleiche. Allerdings verzeichnen wir Abweichungen in der lybischen Wüste, wo ab 10.000 eine kontinuierliche Besiedelung einsetzt, welche durch rapide Trockenheit erst im Jahre 5.000 wieder abbricht.
Es ist schwer nachzuweisen, doch es ist ab etwa 10.000 mit einzelnen neolithischen Kulturerscheinungen zu rechnen. Also stellen wir fest, hierbei handelt es sich dann um die ersten sesshaften Siedler am Nil.
Dieser Umstand wird am deutlichsten durch gefundene Gebrauchskeramik wie sich auch ab 10.000 in der lybischen Wüste ermittelt wurde. Solche Funde auch ab 8500  mit organischen Resten im Tell Aswad. Keramikfunde in Ägypten gibt es aber dann ab dem Jahre 9.500. Hierbei handelt es sich um die bisher  älteste bekannte neolithische Form.  Diese Kultur wird als „Adam-Gruppe“ bezeichnet. Die Adam Gruppe identifiziert sich durch große Anzahl von Mikrolithen, größtenteils. Zurzeit sind die Funde dieser Gruppe in der lybischen Wüste etwas älter. Die typologische Datierung weist auf 7700 bis6500,  die C 14-Datierung auf 9800 bis 8800. Nach geologischen und typologischen Regeln müsste die Kortein-Gruppe auf die Adam-Gruppe folgen aber in dieser Identität finden wir keinerlei Keramik.
An diesen Beispielen sehen wir, wie schwer eine prähistorische Zeitdatierung überhaupt ist und welchen Spielraum wir gegebenenfalls einräumen müssen. Es ist zweifelhaft ob wir auf Grund dieser Tatsache die Wanderung dieser „Adam-Gruppen von der Wüste in das Niltal annehmen dürfen.  Leider liegen die Artefakte nur in Scherben vor. Es handelt sich um relativ grobe Arbeiten, auf denen umlaufende  waagerechte Bänder  durch kommaförmige Einstiche als Verzierung angebracht sind.
Lassen wir alle die vorher geäußerten Vorbehalte mal bei Seite, können wir generell etwa 10.000 vdZ in Ägypten vom Beginn einer Neolithisierung  sprechen. Gemeint sind damit, Spuren erster Sesshaftwerdung, Landwirtschaft, Viehzucht und einzelne Keramikkulturen.
Ab diesem Datum auch in der lybischen Wüste nachgewiesen durch Viehzucht, Getreide ab 8000 im Tell Award. Dazu darf ich anmerken, dass die wissenschaftlich Beweislage dazu noch unzureichend ist, aber gute Ansätze hat.
Auch Keramik ist ein deutlicher Zeiger hin auf Sesshaftigkeit,  Steinwerkzeuge, Mikrolithe, Pfeilspitzen erzählen die Geschichte von Schweifjägern und Viehzüchtern, die stets an denselben Ort zurückkehren.
Zur  Domestikation lässt sich ausführen, dass es im Niltal zur Domestikation von Flora und Faune vor 6500 keine Nachweise gibt. Das ab diesem Zeitpunkt langsam einsetzende Vorkommen von Rindern, Schafen und Ziegen, betrifft ja Tiere, welche in Nordafrika in keiner Wildform vorkommen. Sie sind aus Vorderasien importiert. Gleiches könnte man für die nun einsetzenden Getreideformen annehmen. Gerste und Weizen wurden bis heute nicht in Nordafrika gefunden. Die in Nordafrika generell schlechten Erhaltungsbedingungen führen zu unzureichenden Ergebnissen über  Ernährung und Kultur. Die oft angenommene Nahrungsquelle Fisch aus dem Nil, führte nur in einer einzigen Siedlungsgrabung zu nennenswerten Resultaten, Außer Schalen von Straußeneiern gibt es kaum organisches Material. An nahezu allen Feuerstellen, lassen sich, wenn überhaupt, Reste von Ur, Kuhantilope, Gazelle und Nilpferd identifizieren. Selten Raubtiere wie Wildkatze, Schakal oder Hyäne. An 2 Stellen ein Mähnenschaf. Auf Grund des schnellen Vergehens sind selbstverständlich Kleintiere, wie Schlangen und Vögel völlig unterrepräsentiert.
Zwischen  6000 und 5000 vdZ. kristallisiert sich eine „Nabta-Gruppe“ genannte Kultur heraus, Hier finden wir gegrabene Mulden von 2-3 Meter Durchmesser welche regelmäßig Feuerstellen beinhalten.
Wir wissen nicht ob es sich dabei um die Grundelemente einer Behausung handelte. Daneben liegen 2 Meter tiefe Gruben, 0,5 Meter im Durchmesser, Dabei handelt es sich eventuell um Vorratsgruben. Es folgen verschiedene andere Kulturen ohne dass wir einen gigantischen Kulturumbruch oder eine Zuwanderung von Kulturen aus anderen Bereichen zu diesem Zeitpunkt verzeichnen können.
Wir stehen am Vorabend  der Pyramidenkultur  von der wir zurzeit annehmen können, dass sie sich kulturell aus sich selbst heraus durch glückliche Umstände zu der heute bekannten Größe entwickeln konnte.
In Folge der Chatdiskussion über die ersten Siedler im Niltal wurde in der folgenden Diskussion auch über den aufrechten Gang der ersten Menschen gesprochen.
Dieses möchte ich noch etwas ergänzen.
Natürlich gehören die Affen nicht zu unseren Vorfahren. Jedoch stammen sie aus einer Seitenlinie der Evolution, welches bedeutet dass wir gemeinsame Vorfahren haben.
 Streng genommen gehört der Mensch zu den Säugetieren welche sich vor 200 Millionen Jahren entwickelten. Alle Säuger, also auch der Mensch, stammen damit entfernt vom "Sinocconodon" einem reptilienartigen Frühsäuger ab.
Wissenschaftlich betrachtet man die  7-Millionen Jahren alten "Australopitheciden" als erste frühe menschliche Form.
Forscher haben herausgefunden, dass auf Grund der anatomischen Befunde, bereits für dieses Individuum der aufrechte Gang über weite Strecken möglich gewesen sein muss.
Es gibt unterschiedliche Thesen, warum es dazu kam. Wahrscheinlich ist wohl ein Klimawechsel, welcher die Gruppen zwang die Bäume zu verlassen und in die Steppe zu ziehen.
Lange war es strittig den aufrechten Gang nachzuweisen, es fehlten die Knochen um sich ein anschauliches Bild  des Laufvorganges machen zu können.
Heute wissen wir auf Grund aktueller Funde, dass das Becken eines auf vier Gliedmaßen laufenden Geschöpfes anders beschaffen ist. Das Becken sitzt in einem anderen Winkel und die Wirbelsäule zeigt eine deutliche S-Form. Die Muskelmarken an den Knochen sind gänzlich an anderen Stellenangeordnet. Ebenso kann man den aufrechten Gang auch am Schädel feststellen.
Das durch ein so genanntes Hinterhauptbein gebildete Hinterhauptsloch, welches die Verbindungen zur Wirbelsäule herstellt muss beim aufrechten Gang tiefer platziert sein.
Also hat unser Urahn das Laufen nicht in wenigen Monaten gelernt, sondern es war eine evolutionäre Entwicklung welche viele tausend Jahre gedauert hat.

 

 

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